Die nervigsten Erlebnisse eines PC-Administrators

Empörung

Umbau des Rechenzentrums. Wir stellten die neuen Maschinen in der Mittagspause auf, damit wir auch ja schon am Nachmittag dieses Tages den Nutzern besseren Service bieten konnten. Leider vergaßen wir, die Tür abzuschließen –
Während ich den schwersten Laserdrucker aller Zeiten in den Armen hielt, während um mich her Kabel gezogen wurden, Techniker mit Kabelklemmen, Patchkabel und Schraubendrehern hantierten und mir keiner das Riesending abnahm, das mir aus den Fingern rutschte, kam ein Student rein und wollte irgendwas. „Wir bauen grade um – ab 14:00 Uhr ist geöffnet“, sagte ich. Es war 12:15 Uhr. Empörter Blick. „Ja, da müsst Ihr halt mal ein bisschen FLEXIBEL sein…!“

 

Das darf doch nicht möglich sein!

Den Spruch „dass darf ja eigentlich gar nicht möglich sein“ hört man öfter im Computerbereich, meist bei Datenverlust. Meine Antwort ist meist, wenn man ein Auto falsch steuert, fährt es falsch – da hilft es nicht, zu sagen, „das dürfe nicht möglich sein“. Und in einem System, in dem keine Fehler möglich sind, geht eben auch vieles andere nicht: vor allem kein Abweichen vom Vorgegebenen, also keinerlei Weiterentwicklung. Wenn keine Fehler möglich sind, gibt es zB auch keine Forschung.

Ein Professor hatte die Sache mit dem Computer schon soweit durchschaut, dass VERSIONEN seiner Fachaufsätze extra zwischengespeichert werden mussten. Er kam nämlich häufiger mit „…vor vier Wochen in der alten Fassung meines Aufsatzes, da war das besser, haben Sie das noch…?“, was im Grunde dazu führte, dass wir das Konzept der datentechnischen Versionsverwaltung selbst entwickeln mussten. Das funktionierte auch gut.

Dann kam der Assistent. „Es sei Durcheinander entstanden“, meinte er recht vorwurfsvoll.

Das war geschehen: Prof und Assi schrieben gemeinsam an einem großen Werk zur juristischen Hurgl Bwux Mrpkrzpl, einem Gebiet, von dem ich wenig verstehe. Gemeinsam, aber jeder an seinem eigenen Computer im eigenen Büro. Hatte der eine ein Kapitel fertig, brachte er die vorangeschrittene Arbeit zum werten Kollegen, der dann weiterschrieb. In der Zwischenzeit arbeitete er natürlich weiter… an seiner eigenen Fassung. Kam dann der andere und brachte eine wiederum „erweiterte“ Fassung, nahm er die neue Version vom Partner mit, arbeitete daran…

…irgendwann fiel den beiden auf, dass Absätze fehlten, bzw. dass welche drin waren, die irgendwie nicht hineingehörten, bzw. dass jeder von ihnen eine andere Version des Buches hatte, das man gerade schrieb.

Dann fiel beiden auf, dass jeder selbst auf dem eigenen Computer viele unterschiedliche Fassungen hatte, denn man hatte zum Teil in uralte Fassungen Neues eingefügt, die dadurch natürlich zur, äh, neuen Fassung wurden…

…in gut einem Dreivierteljahr hatten die beiden Herren knapp 100 Versionen oder vielmehr Fragmente eines Buches erschaffen, die ein riesiges Puzzle bildeten. Davon hatte niemand etwas bemerken können, denn in die wissenschaftliche Arbeit redete ihnen ja niemand hinein. Das Problem war im Grunde nur deshalb neu, weil vor dem Computerzeitalter Originale hin- und hergewandert wären, in die dann Papierblätter eingefügt worden wären. Dass elektronische Kopien irgendwie verwaltet werden müssen, war den beiden ebenso entgangen wie die grundsätzliche Natur des Problems. Sie hatten es einfach praktisch gefunden, gleichzeitig arbeiten zu können. Am selben Text, den sie aber immer wieder unter neuem Namen speicherten, mal mit Datumsangabe, mal unter diesem, mal unter jenem Namen… und was dann hin- und herwanderte, waren ganze Dateihaufen auf Disketten. Bearbeitet wurde, scheint’s, jeweils die Datei, auf die man als erstes stieß („was meinen Sie mit Ihrer Aussage WIE HIESS DIE MASTER-DATEI…???“ sagte mir der Prof).

Der Satz, den beide immer wieder empört vor sich hinmurmelten, war: „das darf doch einfach nicht möglich sein…!“

 

Wo rohe Kräfte sinnlos walten

Diskettenschacht. Damals gab es diese kleinen, zähen Plastikquadrate mit Metalllasche, Metallfeder und Plastik-Disk innendrin. Drei Lagen Plastik. Einem User im Rechenzentrum der Universität gelang es, die Diskette im Schacht abzubrechen. Wir fanden die halbe Diskette im Laufwerk und bekamen sie nur mit Mühe wieder raus.

Wir führten danach einen Wettbewerb durch, wem im Rechenzentrum es gelänge, eine Diskette durchzureißen. Keinem von uns gelang es mit bloßen Händen. Bis heute ist uns ein Rätsel, warum jemand eine Diskette im Schacht durchreißt…

 

Paradox

E-Mail-Alarm. Ein User kam vollkommen aufgelöst, er musste eine Mail versenden, und es war lebensnotwendig, dass diese seinen Professor innerhalb einer bestimmten Frist erreichte. Die Mail enthielt als Anhang eine wissenschaftliche Arbeit mit Abgabetermin. Man half dem Herrn weiter. Dabei entdeckte ich den folgenden Satz unter der Mail: „Wenn Sie diese Mail NICHT erhalten, bitte ich um Nachricht!“

 

Einfach so

„Das FAX geht nicht!“ User hatte ein Faxprogramm installiert. Das war vor der Zeit der heutigen Fernwartung, „Telefonsupport“ im Blindflug. Windows sah normal aus, keine Konflikte, alles tat. Programm war ohne Fehlermeldung installiert worden. Ich erkundigte mich, ob die Kabel auch stecken. „Ja, stecken.“

OK… „Wann funktionierte es denn zuletzt?“ fragte ich. Die Frage führt oft zu dem traumatischen Ereignis, das der User bis dato verschwiegen hat. – „Ja, das hat noch nie funktioniert.“
In mir keimte Verdacht. Das Gespräch hatte, recht aufgeregt, zu diesem Zeitpunkt fast eine halbe Stunde gedauert. Ich fragte: „Hat Ihr Computer denn überhaupt einen Faxanschluss?“ Antwort des Benutzers:
„Warum Faxanschluss? Das ist doch ein Faxprogramm. Kann es das nicht EINFACH SO…?!?“

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s