Was wir von Software verlangen sollten

Welches Programm ist das richtige?

Wenn Sie finden, der Dreißigjährige Krieg sei ein unnötiger Religionskonflikt gewesen, dann warten Sie mal, bis Sie mit Programmierern in einem Zugabteil sitzen und die Herrschaften über Betriebssysteme zanken. Verbohrt wie die Taliban behauptet der eine, nur Lizenz-Software sei sinnvoll, während der andere meint, alles müsse Open Source sein.

Ich meine, die Software ist die richtige, die das anstehende Problem löst.

Trotzdem gibt es auch bei mir Kriterien für Programme. Ich bin äußerst anspruchsvoll in den Systemen, die ich einsetze, und das gilt am meisten bei den Systemen, die ich Kunden empfehle.

Bei gleicher Leistung halte ich immer das freie System (Open Source) für vorzugswürdig, nicht nur aus Kostengründen und Sicherheitsaspekten, sondern auch, weil freie Systeme oft erstaunlich langlebig sind. Meine kostenlosen Tools aus dem Bereich der Internet-Software haben z.B. das unsägliche Microsoft-Dingsbums „Frontpage“, das vor einiger Zeit jämmerlich verendet ist, nachdem es zuvor fast ein Jahrzehnt jämmerlich funktionierte, an Langlebigkeit übertroffen. Das finde ich für Systeme, die nichts kosten, eine dolle Leistung.

Folgende Kriterien halte ich aber systemübergreifend für Wesentlich:

Du sollst keine Klette sein

Die Software bringt ihren eigenen Uninstaller mit und lässt sich rückstandsfrei oder wenigstens schadlos aus dem System wieder entfernen.

Du sollst nicht vorläufig sein

Erschienene Updates zwingen mich nicht zum Lizenz-Nachkauf, und sie bewirken auch nicht, dass meine bisherige Version nicht mehr funktioniert.

Du sollst nicht spionieren

Keine Überwachungsfunktionen, keine heimlichen Berichte an den Hersteller. Wenn das Programm etwas „von selbst“ tut und dazu gar das Internet einsetzt, gibt es dazu eine Warnfunktion, diese ist gut dokumentiert (offline UND online), und sie lässt sich abschalten… ebenfalls ohne dass das Programm deswegen nicht mehr funktioniert.

Du sollst nicht Lizenzlügen

Das Lizenzmodell darf keine Mogelpackung sein. Keine versteckten Pflichten oder Einschränkungen; kein Übergang von Urheberrechten an den Inhalten, die der User mit der Software erstellt und Ähnliches.

Du sollst nicht töten

Das Programm ist so gut getestet, dass seine Funktionen das System als Ganzes nicht gefährden. (Beispiel: EGVP-Client, der das elektronische Mahnverfahren von Anwaltskanzleien außer Gefecht setzte, wenn die falsche Java Version eingesetzt wurde; wohlgemerkt, die „richtige“ Version von Java war bei Erscheinen des Programmes bereits veraltet.

Du sollst nicht nörgeln

Kleine Fenster, die sich öffnen und etwas vom User verlangen („Nag Screens“) sind nur dann OK, wenn sie selten und sinnvoll sind, etwa bei Shareware. Ein richtig gutes, kostenloses Programm darf uns einmal am Tag daran erinnern, dass es für den kommerziellen Einsatz auch als lizensierte Version zu haben ist. Lizenz-Software, die man bezahlt hat, und die trotzdem unaufgefordert mit Fensterchen meckert, ist einfach eine Unverschämtheit. Ja, Euch meine ich, Ihr Trottel von Microsoft.

Du sollst nicht geiselnehmen

Software, mit der User Daten erstellen, muss Import- und Exportfunktionen aufweisen. Das heißt, sie muss zu möglichst vielen anderen Dateiformaten kompatibel sein. ZUM MINDESTEN muss Software in verbreitete Standardformate und mindestens in ein OFFENES und FREIES Format exportieren können; andernfalls halte ich sie für schlicht unbenutzbar. Denn ein proprietäres, geschlossenes System führt dazu, dass meine Daten zu Geiseln der Programmhersteller werden und die Zukunft meines Betriebes auf Gedeih und Verderb an amerikanische Lizenzgeier gekoppelt ist.

Du sollst du selbst bleiben

Benutzer von Microsoft Office und von Windows sind diejenigen, die am häufigsten am Telefon heulen. Microsoft hat ein Händchen dafür, gerade die Programmoberflächen, die von fast zwei Milliarden Menschen jahrelang benutzt werden, von Version zu Version völlig über den Haufen zu schmeißen. Das begann mit DosWord 5.0, das plötzlich „Version 6“ hieß, aber so anders war, dass alle Büros der westlichen Welt erstmal drei Wochen Ferien hatten, weil einfach niemand mehr arbeiten konnte. Ähnliche Geniestreiche verübte der Konzern mit der Einführung der „Ribbon-Oberfläche“ für Office und der „Metro-Oberfläche“ für Windows, die dann außerdem kurz nach Markteinführung nicht mehr „Metro“ heißen durfte, weil Microsoft die Lizenz für den Begriff nicht hatte.

Anekdoten über dumme Leute aus Redmond gibt es viele, aber zum Ende dieses Artikels sei gesagt: Software, die ein neues Produkt als „Version sonstwas“ eines alten Programmes verticken will, ist aus diesem Grunde ganz besonders schlecht. Als Firma sollte man sich immer überlegen, dass auch Umschulung Geld kostet; und bevor Sie eine Microsoft Software upgraden, sollten Sie immer schauen, ob sie auch zufällig von der Bedienung her gleich geblieben ist. Umschulung auf eine andere Textverarbeitung kann billiger sein, als sich in die neuste Bedienungskatastrophe des nächsten MS Office-Pakets einzuarbeiten…

 

 

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