Matschiges Kuchenstück-Windows

Natürlich kann ich Ihnen Ihre Windows-Installation reparieren. Aber es gibt Grenzen.

Lassen Sie es mich so erklären: Sie rufen einen Bäcker an und sagen: ich möchte meinen Kuchen repariert bekommen. Fein, meint der Bäcker: ich komme vorbei. Und er packt die Kuchenschaufel, die Spritztülle und den Zuckerguss und vielleicht sogar ganz grundsätzliche Dinge wie Mehl und Zucker ein.

Der Bäcker stellt sich vor, dass an dem Kuchen kleine Ausbesserungen nötig sind: vielleicht ist die Glasur eines Hochzeitskuchens gebrochen, oder eine Cremeschicht zerläuft. Diese Sachen kann der Bäcker.

Er kommt in Ihre Küche und erwartet, den Kuchen auf einem Teller oder wenigstens auf dem Tisch zu finden. Aber an der Wand klebt ein bunter Matsch, der auch ans Fenster und auf den Boden gespritzt ist. Einige Geburtstagskerzen sind durchs Fenster geflogen und im Gulli vorm Haus gelandet.

SIE stehen ungeduldig neben dem Bäcker, schauen auf die Uhr und fragen: „Ja, und wie schnell kann ich denn meinen Kuchen für die Geburtstagsparty haben, die nachher um 16:00 Uhr stattfindet?“ Und Sie trommeln mit den Fingern auf dem Kühlschrank herum.

Der Bäcker erklärt in knappen Worten, dass da nichts mehr zu retten ist: „Ihre Windows-Installation ist völlig verkonfiguriert. Reparatur wäre ungeheuer aufwendig und TEUER. Es geht auch schneller, sie neu zu backen.“ Und Sie stimmen zu, denn – wir erinnern uns – um 16:00 Uhr ist ja Ihre wichtige Party.

„Gut, fangen wir an“, meint der Bäcker. „Wie sah der Kuchen denn aus?“ „Ja – da klebt er doch, an der Wand“, meinen Sie. Und das Gesicht des Bäckers wird ein wenig rot, ob aus Scham oder Anstrengung, wissen wir nicht.

„Ja – aber SO wollen Sie den Kuchen ja nicht, nicht wahr? Wenigstens dreidimensional sollte er doch sein.“ Sie überlegen. „Ja, also – einfach ein NORMALER Kuchen soll es wieder sein.“

Der Bäcker seufzt, denn es gibt sehr viele unterschiedliche Ansichten auf der Welt, wie ein Normkuchen so zu sein hat. Aber SIE meinen, es gibt nur jenen Mandel-Krokant-Knoblauchkuchen, den Ihre Großmutter normalerweise in Schmalz zu backen pflegte. Und Sie stellen klar, dass ein professioneller Bäcker dergleichen doch zu wissen hätte, dass die Sache schon viel zu lange dauert und dass die Aktion außerdem nicht zu viel kosten darf – es war ja nur ein simpler, ganz normaler Kuchen.

„Na schön“, meint der Bäcker. „Haben Sie alle Zutaten noch?“ – „Nein“, sagen Sie, weil das wahr ist.

Der Bäcker gräbt in seiner Tasche herum. „Kann ich das Rezept mal sehen?“

„Welches Rezept?“, fragen Sie – und kurz danach kleben Sie an der Wand. Ihre Brille ist durchs Fenster in den Gulli vorm Haus geflogen, und einiges von Ihnen ist auch ans Fenster und auf den Boden gespritzt. Zumindest taucht genau dieses entsetzliche Bild vor dem geistigen Auge Ihres Bäckers auf, und es ist unheilvoll farbig, deutlich, beruhigend, verlockend – und es brummt leise.

Vielleicht sagen Sie jetzt: „Eine Windows-Installation ist aber kein Kuchen.“

O doch.

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