Testdisk – und seine Grenzen

Man kann einiges versuchen.

Will sagen, wenn diese typische Fehlermeldung mich erreicht, „dass alles weg ist“. Das hervorragende Programm „Testdisk“, beispielsweise, ist in meiner Erfahrung unschlagbar, wenn es darum geht, gelöschte Daten wiederzufinden. Es ist nicht so komfortabel wie andere Programme, dafür ist es bei großer Mächtigkeit vollkommen kostenlos.

Testdisk begegnete mir, wie wohl den meisten, als eine Chipkarte einer Digitalkamera nicht mehr lesbar war. Gerade hatte ich eine Serie von Libellenfotos geschossen, die für mich besonders wertvoll waren – Sie kennen das, wenn man ein Viech einmal ordentlich erwischt hat, weiß man, dass die gleiche Gelegenheit nicht so schnell wiederkommt. Und natürlich verreckt jetzt die Speicherkarte.

Testdisk fand sämtliche Bilder wieder.

Bis ich aber bei Testdisk gelandet war, musste ich sämtliche anderen Programme, die auffindbar waren, stressig durchprobieren. Am ärgerlichsten fand ich dabei jene Programme, die zwar anzeigen, welche Daten theoretisch wiederherstellbar WÄREN, die eigentliche Datenrettung aber erst nach Kauf bzw. Zahlung zulassen wollen.

Das kommt dem verzweifelten Datenretter in diesem Moment wie Epressung und Geiselnahme vor.

Seither nutze ich Testdisk zur Wiederherstellung von Daten auf jedwedem zerstörten Datenträger. Es hat unter NT-Partitionen, FAT-Partitionen (die immer noch durch die Hardware-Welt geistern, speziell in XP-Systemen) und auch unter Linux in meiner Erfahrung die beste Trefferrate.

Leider gibt es Datenträger, die auch Testdisk nicht mehr schafft. Bei einem der letzten Tests hatte ich eine Platte, auf der möglicherweise mehrere Rettungsversuche durchgeführt worden waren. Testdisk erkannte das Laufwerk zwar, versuchte auch zuzugreifen – dabei blieb es aber. Selbst nach 48 Stunden Dauertest hatte das Programm noch nichts gefunden, und zwar weder unter Windows XP noch unter Linux (Ubuntu).

Das Festplattenmodell war eine 2,5“-HDD mit 2 TB.

Es ist schwer einzusehen, dass etwas tatsächlich WEG sein kann. Speziell für die Betroffenen ist das fast unerträglich, für mich als Computer-Administrator auch. Leider kommt es aber vor.

Darum hier die Zusammenstellung der Datenträger, mit denen ich selbst mit Testdisk nichts anfangen konnte, obwohl das Programm sie erkannte, also theoretisch irgendetwas hätte gehen müssen:

  • 8 GB XD-Card
  • 2,5“ HDDs mit großer Kapazität (1 TB oder höher)
  • USB-Sticks mit 16 und 32 GB

Mir scheint, dass Datenträger umso sensibler sind, je mehr sie auf Extremwerte getrimmt werden, um Käufer anzuziehen. Ich habe darum überhaupt keine Lust mehr, der Erste mit dem so-und-so viele Terabyte großen Chip zu sein. Als die sichersten Datenträger erweisen sich in meiner Praxis bisher diejenigen, die eine eigene Stromversorgung haben, also nicht aus dem USB-Port mit Energie versorgt werden. Abraten würde ich auch von HDDs, die mit zwei USB-Steckern daherkommen, da sie an manchen PCs laut Betriebsanleitung (sic!) zwei USB-Ports anzapfen müssen.

Für SSD-Disks habe ich noch keinen Test machen müssen… ich bin gespannt, was dabei herauskommt.

Viele Grüße, Ihre Computerwehr

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