Mehr Tempo, bitte! Wenn der Computer zu langsam ist

Computer „zu langsam“? Das Problem sollten Sie zunächst sinnvoll eingrenzen. Meinen Sie die Informationsverarbeitung in Ihrem Computer,  das Tempo Ihrer Datenleitung oder jene Schnelligkeit, mit der Ihnen die Daten von Servern im Internet GELIEFERT werden?

Das ist ein Unterschied. Viele Server im Internet stellen ihre Dienste in mehreren Stufen der Geschwindigkeit zur Verfügung. Ein Abo-Dienst, der Filme anbietet, kann „Premium“-Kunden fixer versorgen als die graue Masse der nicht-zahlenden, nicht angemeldeten Downloader.  Liegt es also am SERVER eines Dritt-Anbieters, kann Ihre lokale Verbindung noch so schnell, Ihr Provider noch so teuer sein: dann kommen die Daten eben langsam.

Aber gehen wir davon aus, dass Sie einen schnellen, nicht stark in Anspruch genommenen Internet-Dienst gefunden haben. Gehen wir weiter davon aus, dass Sie – wir schreiben das Jahr 2016 – eine aktuelle Netzwerk-Karte mit 1 MBit pro Sekunde UND auch ein DSL-Modem mit dieser Geschwindigkeit haben.

Dann bleiben folgende Ansätze zur Optimierung:

1) Online-Geschwindigkeit.
Es muss zunaechst festgestellt werden, wie „schnell“ Ihre Verbindung überhaupt ist. Dazu koennen Sie die folgende Webseite besuchen:
http://speedtest.chip.de/

2) Verbindung zwischen Computer und DSL-Modem.
Das Tempo, in dem Daten Ihren PC erreichen, haengt auch davon ab, wie gut Ihr Funknetz funktioniert. In jedem Fall ist es langsamer als ein Kabel (um etwa 25% langsamer).
Hierzu kann ein Vergleichstest (per Kabel) vor Ort angestellt werden. Ist das Kabel schneller, sollten Sie es auch einsetzen.

3) Arbeitsgeschwindigkeit des Computers. Hier lassen sich unter Umständen Programme deaktivieren, die ohne konkreten Nutzen für Sie in Windows arbeiten und Ressourcen verbrauchen. Das Tool (Computerprogramm) für diesen Zweck heisst „Autoruns“.
https://www.heise.de/download/product/sysinternals-suite-48696/download/danke?id=48696-1

4) Leistungsfähigkeit Ihres Systems (Performanz).
Das ist am sinnvollsten durch mehr Arbeitsspeicher zu erreichen. Die Aufruestung des RAM eines beliebigen Systems, etwa Ihres Notebook von 4 Gigabyte Arbeitsspeicher auf 8 Gigabyte Arbeitsspeicher (RAM) hat fast immer Sinn. Es kann allerdings sein, dass sie relativ teuer ist (Beispiel: es gibt Arbeitsspeicher-Riegel, die ca. EUR 100,- kosten.
Es ist die Frage, ob sich das fuer Sie lohnt.

Von anderen Beschleunigungsmaßnahmen rate ich ab. Insbesondere rate ich davon ab, ein neues Logikboard (Platine, Motherboard) einzubauen; das ist in der Regel teurer als ein neuer Computer und oft technisch nicht sinnvoll.

Auch vom begeisterten Installieren irgendwelcher „Utilities“, die „System Speed“, „Accelerator“, „Turbo“ und ähnlich heißen, kann ich nur abraten. Viele dieser „Tools“ sind in Wirklichkeit Systembremsen, die Werbefunktionen oder versteckte Spionagefunktionen ausführen. Die „Sysinternals“ Suite, zu der auch das oben erwähnte „Autoruns“ gehört, kann ich uneingeschränkt empfehlen.

Google: „unusual traffic“

Es kann vorkommen, dass Google folgende Meldung ausspuckt:

„Our systems have detected unusual traffic from your computer“

Diese Meldung ist weder ein Betrugsversuch noch eine Täuschung (kein „scam“ und kein „fake“). Es handelt sich um eine automatisch generierte Meldung, die anzeigt, dass irgend etwas an Ihrem Suchverhalten Google seltsam vorkommt.

Es ist nicht leicht, die Meldung absichtlich zu erzeugen. Im Grunde versucht die Suchmaschine nur, sich vor automatischen Abfragen zu schützen (vollautomatisierter Marktforschung, etwa). Denn Google-Abfragen verbrauchen eine Menge Strom und Rechenkapazität. Die Suchmaschinen-Firma will daher gern für Einzelne Abfragen kostenlos beantworten, aber nicht Großfirmen mit Datenmassen beliefern, jedenfalls nicht umsonst.

Erscheint die Meldung, füllen Sie einfach das „Captcha“ aus, was bedeutet, Sie müssen von Hand die Buchstaben eingeben, die Sie im bunten Grafik-Feld erkennen. Danach können Sie fröhlich weitersurfen.

unusual_traffic

 

Früher war alles besser

Gerade ne Werbung gelesen: „Früher war alles besser – Dein PC nicht!“ Soll wohl heißen, kauf Dir nen Neuen.

Hm, also abgesehn davon, dass zu „früher“ ja auch die NS-Zeit und die Beulenpest gehören: ich hab Kundenberichte und eigene Erfahrungen darüber, dass COMPUTER früher durchaus besser waren.
– Updates waren weniger tyrannisch und ungefährlich
– Software ließ sich ohne Lizenzgewurstel übertragen
– Es kam keine Spitzelsoftware mit
– Dateiberechtigungen hinderten nicht am Lesen der eigenen Buchhaltung
– Gefühlt waren die PCs nicht schneller, aber auch nicht langsamer als heute
– E-Mail war verlässlich
– iTunes pfuschte nicht in der Musiksammlung herum
– Man konnte Sicherungskopien der eigenen DVD-Filme machen, statt die Drecks-Scheibe neu kaufen zu müssen
– es gab keine Ransomware

Ich könnt noch weitermachen, aber ich denk, ich hör mal auf. Der einzige Vorteil der neuen Systeme ist:
es gibt ausreichend sicheren Speicherplatz.

Aber Achtung: SSDs sind weniger verlässliche Speicher als die Motorplatten. Schon jetzt will man Ihre Daten in der „Cloud“ haben (klaaaaaar ist das sicher und niemand liest mit). Die Möglichkeit verlässlicher lokaler und unbegrenzter Speicherung sollten Sie verteidigen. Das ist eine der VERBESSERUNGEN, für deren Erhalt wir kämpfen sollten

Datenbestand auf externer Festplatte

Mehr Privatsphäre mit externen Festplatten
Externe HDDs mit eigenem Stromanschluss sind ein sehr wesentlicher Beitrag zu Ihrer Privatsphäre. Sichern Sie Daten wie Familienfotos und Ihre Musiksammlung auf ZWEI externen Festplatten, die jeweils über einen eigenen Stromanschluss verfügen (dh, die Festplatte hat einen eigenen Stecker, der in die Steckdose gesteckt wird). Schließen Sie diese nur an den Computer an, wenn Sie die entsprechenden Daten brauchen. Das verringert die Chance, dass Sie Opfer von Sabotage und Spionage werden, gewaltig.
Wenn Sie USB3.0-Platten wählen, ist auch die Übertragung größerer Dateien kein größerer Zeitaufwand als bei internen Platten. Falls Ihr Computer über keinen USB 3.0 – Anschluss verfügt, ist dieser Anschluss billig mit einer einfachen Steckkarte nachrüstbar.
Außerdem entschlackt die Auslagerung Ihr Windows-Betriebssystem, so dass Sie keine Platzprobleme bekommen, selbst wenn Sie einen moderneren Rechner mit SSD-Festplatte benutzen.
Die Musiksammlung können Sie im Grunde ebenso auslagern – auch das ist ein wichtiger Teil Ihrer Privatsphäre. Beispielsweise kann Ihr Charakter, Ihre politische Einstellung, Ihre Religion und Ihr Geschlecht, Ihr finanzieller Status und Ihr soziales Umfeld mit einiger Sicherheit an Ihrer Musikauswahl abgelesen werden.
Leider stellen sich viele Programme zur Musikverwaltung hier ausgesprochen stalinistisch an und verweigern es,  Sammlungen an einem anderen Ort als auf „C:“ (unter Windows-Systemen) zu verwalten. Hier hilft es, wenigstens den Gesamtbestand auszulagern und nur die Musik, die wirklich auf Ihr Smartphone soll, auf die eingebaute Festplatte zu legen.
Verschlüsselungen sollten Sie sich gut überlegen: sie brauchen Zeit, haben oft eingebaute Hintertüren und sind schwierig zu verwalten. Obendrein machen sie es geradezu unmöglich, im Fall von Festplattenschäden die Daten wieder herzustellen.
Je kritischer, wichtiger oder geheimer Ihre Daten sind, desto wichtiger ist es, Sie auszulagern bzw. sie nicht permanent mit dem Internet zu verbinden. Zur Übertragung sollten Sie den Zielrechner bei hochkritischen Systemen vom Internet trennen, am besten physikalisch (Kabel ziehen).
Das schafft nur eine relative Sicherheit – ist aber der beste Kompromiss zwischen Praktikabilität und Privacy. Es ist der Unterschied zwischen einem Wasserhahn, der gelegentlich geöffnet wird, und einem permanent offenen Kanalrohr… was glauben Sie, was den Ratten lieber ist?

PIM – Enttäuschung beim Personal Information Manager

Suchte n Programm, um Termine, Adressen und Aufgaben zu verwalten; sollte etwa das leisten, was mein Kalender kann, aber eben ohne dauernde Abschreiberei und Übertragung vom Smartphone ins Notizbuch und ohne Zettelwirtschaft.
Schwer zu finden: überall wollen sie, dass ich meine Daten in die Cloud wuchte und außerdem Outlook nutze.
Nach viel Sucherei finde ich ein vielfach empfohlenes Programm, das folgendes ANGEBLICH kann:
– Synchronisierung mit mehreren Desktop-PIMs, zB Thunderbird
– Synchronisierung mit dem Handy
– eigener, verschlüsselter Cloud-Service
Da es so heiß empfohlen wird, zahle ich EUR 60,- und bestelle es online.
Enttäuschung 1: das Programm funzt nur unter Windows, was sich vorher anders las.
Enttäuschung 2: das Programm arbeitet mit meinem iPhone nur EINGESCHRÄNKT zusammen – den Lizenzkauf hätte ich mir sparen können.
Enttäuschung 3: das Programm hat WIRKLICH eine eigene Cloud. Aber die KOSTET EXTRA.
Das ist deswegen ärgerlich, weil von diesen Extrakosten vorher nichts zu lesen war.
Fazit: wenn das so läuft, könnt man auch die Google Dienste nutzen… auf Privacy verzichten wir halt.

Der neue Farbkasten… warum ich meine Kunden nicht verstehe

Ich verstehe es WIRKLICH nicht.

Es kommt ein neuer Computer. Beim Kunden.
Ich stelle ihn auf, schließe ihn an, richte ihn ein.

Auch übertrage ich die alten Datenstrukturen, richte die gewohnte Arbeitsumgebung ein, und jetzt geht es los. Lassen Sie mich’s mal so beschreiben, als hätte ich einem Kind einen neuen Schreibtisch hingestellt… Sie werden gleich verstehn, warum. Und vielleicht auch, was ICH einfach NICHT verstehen kann.

Kind (mit wütendem Gesicht): „Mein Farbkasten hat jetzt nen anderen Deckel!!“

Ich: „Ja schon, aber es ist derselbe Farbkasten. Funktioniert auch gleich.“

Kind: „Mit ANDEREN Pinseln!“

Ich: „Stimmt, die Pinsel sind anders. Neu. Ist doch toll…. oder…?“

Kind: „Die Farben sind außerdem an ner andern Stelle! Früher war Preußisch Blau neben Karminrot… jetzt ist Karminrot neben Orange!!“

Ich (denke, sage es aber nicht): „Schieb dir dein Orange doch in den Karmin, du nerviges Blag…!“

Ich (sage höflich): „Aber Orange ist weiterhin Orange und Karminrot ist Karminrot. Es genügt, den Pinsel nass zu machen und drin rumzuschwurbeln.“

Kind: „Und das Blatt? Das Blatt liegt jetzt anders!“

Ich: (nun leicht gestresst): Ja, liegt anders, aber es liegt weiterhin auf dem Schreibtisch und funktioniert wie alle bisher bekannten Blätter.“

Kind: (schaut vorwurfsvoll): Und mein Radiergummi? WO IST MEIN RADIERGUMMI?“

Ich (verwirrt): „Ja äh aber da liegt er doch. Vor dir, auf der Schreibtischplatte.“

Kind: „…“ (schaut auf den Schreibtisch)

Kind: „Da liegt kein Radiergummi.“

Ich: „Doch, genau vor dir“, und ich ZEIGE auf den Radiergummi.

Kind (aufgeregt): „Hey, nicht so schnell! Ich will mitbekommen, was du da machst!!“

Ich: (nehm erschrocken die Hand weg) „Ja, also ich mach ja gar nix. Aber HIER, da isser doch, der Radiergummi…“

Kind: „Ach so, DAS ist der Radiergummi? Der war aber früher 10 cm weiter links.“

Ich: „…“

Kind: „Und ich hatte ihn ‚Ratzefummel‘ genannt. Woher soll ich wissen, dass das jetzt ‚Radiergummi‘ heißt??“

Ich: „Ja also, das konnt ich ja erstens nicht wissen und zweitens war der Radiergummi mit ‚Radiergummi‘ beschriftet, damit man weiß, dass es sich um einen Radiergummi handelt. Ich benenn ihn mal in ‚Ratzefummel‘ um…“

Den letzten Satz kann ich nicht fertig sagen. Nie. Oder er wird nicht angehört. Meist unterbricht das Kind ihn nach „…konnt ich ja erstens“ mit folgenden Worten:

Kind (schroff unterbrechend): „Also das ist auch SEHR unübersichtlich. Wie soll man sich denn da zurechtfinden.“

Ich: (schaue auf den Schreibtisch)

Schreibtisch: (Enthält ein Mäppchen mit Stiften, einen Locher, Radiergummi, drei verschiedene Schreibhefte, eine Schere, einen kleinen Stapel Postkarten und die Tagespost.

Schreibtisch: „Mich gibt es seit 2500 Jahren und die auf mir liegende Anzahl Dinge hat noch NIE irgendwen überfordert.“

Kind: „Ich will meinen alten Schreibtisch.“

Der alte Schreibtisch: (liegt als verkohltes Feuerholz im Kamin)

Ich: (stecke die Hand in meine Arbeitstasche, greife nach einem Schraubendreher und drücke die Metallspitze fest gegen meinen Daumen, das tut schön weh und beruhigt irgendwie)

Ich: „Ich muss jetzt, äh, leider gehn und dann meine Rechnung schreiben.

Kind: „Rechnung? Was für eine Rechnung? Überhaupt ist das hier noch gar nicht fertig, ich brauche noch Schulung, was meinen Farbkasten angeht… wie man den Wasserbecher und den Pinsel überhaupt bedient…“

Ich (denke, sage es aber nicht) „DEN GANZEN SCHEISS BENUTZT DU SEIT JAHREN, DA HAT SICH NICHTS GEÄNDERT! DEIN DRECKS BECHER FUNKTIONIERT WEITERHIN SO, DASS DU IHN MIT WASSER FÜLLST UND IHN DANN MIT DER ÖFFNUNG NACH OBEN AUF DEN SCHREIBTISCH STELLST!!!“

Ich: (gehe, wobei ich höfliche Floskeln spreche, damit ich nicht sagen muss, was ich denke)

Später, zu Hause.

Telefon: (klingelt)

Ich: „Hier ich…“

Kind (am Telefon): „Ich hab den Wasserbecher jetzt mit der Öffnung nach UNTEN auf den Schreibtisch gestellt. JETZT IST ALLES NASS! (Pause) DAS IST DIE SCHULD VON DIESEM BLÖDEN SCHREIBTISCH!!“

Trottelprüfung… warum ich sie zu oft bestehe

Passiert häufig: ich krieg ne Anfrage „ist DAS ein Virus…?“
Wobei [DAS] als Platzhalter für jede mögliche gefühlte oder wirkliche PC-Störung steht.

Meist kommt die Meldung telefonisch und aufgeregt. Und keine Fernwartung / Fernzugriff auf den Computer der oder des Aufgeregten möglich. Also lass ichs mir beschreiben.
Dann schau ich online nach, und … natürlich … fast immer gibt es ein Virus, das ziemlich genau [DAS] bewirkt.

Also sag ich: „JA, das KANN ein Virus sein“ und empfehle allgemeine Schutzmaßnahmen. Deren Wichtigste ist die Installation kostenpflichtiger Antivirus-Software, denn die Gratis-Lösungen schützen nicht. Nein, wirklich nicht.

Häufig stellt sich dann aber raus: nee, is kein Virus sondern harmloses Missverständnis / Anwenderfehler / Installationsproblem.

Und JETZT bin ich n Vollidiot. Wieso wusst ich das nicht gleich? Das ist doch meine Arbeit? Ich mach doch Sicherheitsberatung? Ich wollte BESTIMMT bloß auf plumpe Art zu nem WAHNSINNIG teuren Auftrag kommen und meine armen Bekannten abzocken.

Sag ich dann: ja äh *stotter* aber der Beschreibung nach KONNT es ja ein Virus sein, dann ist das eine AUSREDE.
WÄRE es natürlich ein Virus gewesen und ich hätte hohnlachend abgewunken, DANN wär natürlich was los gewesen. Sowas geht bis zur Schadenersatzklage.

Sag ich: „Schau die Symptome doch selber im Netz nach“, dann bin ich kalt und herzlos. Denn gerade das ist ihr/ihm ja zu kompliziert. Und wär Arbeit.

Was ich am Tollsten finde: hinterher krieg ich meistens diesen Anruf: „Ja mein Kumpel konnts ganz schnell erledigen, war gar nix“ … wobei unausgesprochen bleibt: „und DU TROTTEL wolltest, dass ich GELD ausgeb für n Antivirenprogramm!“

Die GANZ vernünftige Antwort wär natürlich: „Computerstörungen kann man nur lösen, wenn man den Computer vor sich hat…“ aber wohlgemerkt, DAS wär ja wieder n Auftrag und könnte Geld oder die leider übliche beschi… Flasche Wein kosten (die ich noch nie haben wollte, vielen Dank).

Seh keine Lösung.
Werd meine Zukunft damit verbringen, immer mehr meiner entfernten Bekannten davon zu überzeugen, dass ich ein Trottel bin…